By Volker Müller-Benedict

Wie entstehen an Hochschulen neue Fächer und welchen bisherigen Fachgruppen werden sie zugeordnet? Als das „Nadelöhr“ der fachlichen Ausdifferenzierung stellt sich im hier untersuchten Beispiel die akademische recognition der pharmazeutischen Fächer im Hinblick auf die bestehende disziplinäre Struktur der chemischen und biologischen Fächer heraus. Die Berufsverbände im Bereich der Pharmazie, DAV und später ABDA, werteten durch ihre Bemühung um die Wahrung eines „Einheitsstandes“ die Reputationsmöglichkeiten einer fachlichen Differenzierung ab. Die Industrie förderte unabhängig von Fächern und nur dann, wenn neue Methodenentwicklungen auf den spezifischen Bedarf eines Anwendungsgebietes trafen.

Der Inhalt

  • Entwicklung der fachlichen Differenzierung der Pharmazie an den deutschen Universitäten an der Grenze zwischen Chemie und Biologie
  • Zwischen Arbeitsmarkt und Ausbildung: Die Politik der Berufsverbände
  • Industrie, Forschungsförderung und Fachdifferenzierung. Chemische und pharmazeutische Disziplinen im Vergleich
  • Die zeitliche Dynamik der fachlichen Differenzierung der Pharmazie und der Chemie

Die Zielgruppen

  • Forschende, Dozierende und Studierende der Wissenschaftsgeschichte und Wissenschaftssoziologie, der Pharmazie und Chemie
  • Mitglieder der industriellen Verbände und der Berufsverbände der Pharmazie und Chemie

Der Herausgeber

Volker Müller-Benedict ist Professor für Methoden und Statistik und Direktor der Abteilung Zentrale Methodenlehre (ZML) der Universität Flensburg.

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1888 (Vortrag des Referenten Prof. Buchheim betr. 1875) 104 Vgl. Universitätsarchiv Gießen: PKA Nr. 1880). 103 37 das Amt weiter rotieren zu lassen, sondern befand auch Graehtgen, der weiterhin der medizinischen Fakultät angehörte als besonders ungeeignet, u. a. da er lediglich an Stelle eines Apothekers in die Prüfungskommission gewählt, also kein obligatorisches Mitglied sei. Für die geringe Reputation, die Graehtgens zuerkannt wurde, der ordentlicher Professor war, spielten methodische Grenzziehungen zur Medizin als ‚Herkunftsfach‘ der Pharmazie eine Rolle und deren Beanspruchung durch die Chemie: „Je mehr man fortschreiten wird […] um so weniger wird der Pharmaceut bei dem Pharmakologen in der medicinischen Fakultät zu suchen haben.

Nach Tschirch trennte sich die Pharmakognosie im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts von der Phamakologie. Er definiert das Fach als „Wissenschaft, deren Aufgabe es ist, die Drogen pflanzlichen und tierischen Ursprungs nach allen Richtungen hin – mit Ausnahme der medizinischen Wirkung – wissenschaftlich kennen zu lernen und korrekt zu beschreiben. Als Universitätsfach sollte sie daher zusammen mit mikroskopischen, pharmakochemischen Übungen gelehrt werden. 179 Erst langsam erweiterte sich demnach das beschreibende morphologisch-anatomisches Verständnis der Pharmakognosie.

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